"... und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14)

Festgottesdienst zum Jubiläum mit Bischof Dr. Franz-Josef Bode

Dieses Motto macht nicht nur deutlich, wie wichtig uns die Gäste und die ungezählten Begegnungen der letzten 60 Jahre sind. Es bringt auch den Geist des Hauses zum Ausdruck, weil es in Anlehnung an den Johannesprolog eine "göttliche Kurzzeitpädagogik" beschreibt, die uns als Kultur der Anerkennung und Wertschätzung der Menschen immer wichtiger geworden ist.

Im Griechischen steht im Johannesprolog: "und hat sein Zelt unter uns aufgeschlagen". Das griechische Wort für Zelten hat die gleichen Buchstaben wie das hebräische Wort Shekinah, das das Wohnen Gottes unter den Menschen beschreibt. Auch wir haben für unsere Jubiläumsfeier ein großes Zelt aufgeschlagen und laden ein, bei uns zu wohnen und mit uns zu feiern. Dazu werden am Samstag Gäste aus der ganzen Region und dem Bistum Osnabrück zum "Tag der Offenen Tür" erwartet.

Im Rahmen einer Fachtagung im Vorfeld des Jubiläums mit Prof. Dr. Martha Zechmeister zu der Frage: "Kann man von Jesus zu menschlich reden?" entstand im vergangenen Jahr ein Videoclip mit dem Musiktitel "One of us" von Joan Osborne, in dem neben himmlischen Wolkenformationen auch Straßenkinder aus Brasilien und der ganzen Welt, aber auch Jugendliche aus unseren Kursen zu sehen sind. Die Frage der Fachtagung haben wir im Haus viel diskutiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Glaube an Jesus Christus, der unter uns gewohnt hat und wohnen will, den jungen Menschen und Gästen unseres Hauses schon deswegen gut tut, weil er sich besonders mit den Opfern von Gewalt identifiziert. Ein solches "biblisches Deeskalationstraining" fordert "Respekt vor dem, dem ich sonst vielleicht die Fresse polieren würde", so hat es einmal ein BVJ Schüler auf den Punkt gebracht.

Der Glaube an Jesus Christus will ja ursprünglich nichts anderes, als den Gott Israels in diesem praktischen Sinne zu verdeutlichen, besonders seine Nähe zu den Kleinen, seine Tendenz nach unten. Wir haben uns bei der Vorbereitung unseres Jubiläums aber auch gefragt, ob wir Christen dabei möglicherweise vergessen haben, was dem Judentum stets heilig war: nämlich, darauf zu achten, dass die Zehn-Hand-breit der Bundeslade, zwischen Gott und der Welt, zwischen Gott und den Menschen gewahrt werden? Das Judentum spricht deshalb jedenfalls von "Einwohnung" Gottes, niemals von "Menschwerdung" Gottes. Dieser Glaube lädt uns ein so zusammen zu leben, dass es möglich wird, ohne Angst verschieden zu sein. Aber er ermutigt auch dazu, sich eine Zeit lang aus dem Alltag, aus Gewohntem und Festgefügtem, aus dem ewigen Kreisen um sich selbst herausführen zu lassen, den christlichen Glauben als Wagnis zum Aufbruch zu begreifen und den Sinn für die alternativen Möglichkeiten des Lebens zu wecken.

In diesem Sinne: Herzliche Einladung bei uns zu wohnen und mit uns zu feiern.


Termin : Freitag, 19. September 2008 (18.00 Uhr) Festgottesdienst mit Bischof Bode
Samstag, 20. September 2008 (10.00-17.00 Uhr) Tag der Offenen Tür
Sonntag, 21. September 2008 (11.15 Uhr) Krabbelgottesdienst
Ort :
Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth
Referent : Haupt- und Nebenamtliche Mitarbeiter des Marstalls
Kosten : frei

Anmeldung/Info: Tel.: 05952/207-0 - Fax: 05952/207-207 - email

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